
如果说生命中真有不能承受之重,非母爱莫属。存于世间本不易,某日忽然迎来出于己身的另一生命,有惊喜,更多是焦灼。无数梦想慢慢堆出山一般的愁绪,愁到借用宋代李清照词句:只恐双溪舴艋舟,载不动、许多愁。近观赵丽先作品,脑中不停闪出一组镜头,非洲大草原上新出生的⻆⻢,歪歪斜斜刚能行走,就围来一群狮子,母⻆⻢一边警惕对视逼近的猛狮,一边奋力驱赶自己的小⻢,似乎告诉它:“孩子,快跑!”,然而残忍的自然规律诠释了后面我不愿重复的赘述。《待渡》《春江花月夜》《离岸》《神灵在渊》《护婴图》几幅作品中均有水的存在,水作为生命的载体,既春波荡漾而悠闲,又澎湃汹涌而恐惧;既幻化彼岸之超脱,又维系此岸之离苦。赵丽先从未追逐光怪陆离之时尚,也不囿于汉画敦煌之古训,而是坚守其心中巨大的螺,⻛格符号信手拈来,山川日月、花⻦兽禽,不同素材随着这个螺在旋转, 造出一个母亲极尽己能所能营造的澄明之境,孩子在这里是安详的,豹子老⻁在此凶恶不及猫,波涛在此舒缓宁静,如肖邦的夜曲。一个轻轻的声音传来:孩子啊你快快成⻓。蕴含了多少母亲的焦虑,薄雾浓云愁永昼,瑞脑消金兽。在这满满爱意的作品面前,我那些固有的画史知识、 ⻛格符号、市场价值,又显得多么渺小而单薄。
常天鹄有感于壬寅金秋



造境心安
Die Kunst der inneren Ruhe
Gibt es im Leben wirklich eine Last, die zu schwer zu tragen ist, gehört die Mutterliebe ganz gewiss dazu. Das Dasein an sich ist schon mühsam genug; dann erscheint eines Tages plötzlich ein anderes Leben – aus einem selbst geboren. Es ist ein Wunder, doch die Beklommenheit ist weitaus größer. Unzählige Träume türmen sich langsam zu einem berggleich hohen Kummer auf, bis man die Worte von Li Qingzhao aus der Song-Dynastie zitieren muss: “Ich fürchte, das kleine Boot auf dem Zwillingsfluss kann solch eine Last nicht tragen.”
Betrachtet man die Werke von ZHAO Lixian aus der Nähe, drängt sich einem unweigerlich eine Bildfolge auf: In der afrikanischen Savanne wird ein neugeborenes Antilopenkalb, dessen Beinchen noch wackelig sind, von einem Löwenrudel umzingelt. Seine Mutter stellt sich zwischen den Tod und ihr Kind, die Augen auf die angreifenden Bestien gerichtet, und treibt das Fohlen an – „Lauf, mein Kind, lauf!“ Das erbarmungslose Gesetz der Natur vollendet die Szene, doch ich will nicht weiter darauf eingehen.
In Werken wie „Warten auf die Fähre“ („Waiting to Cross“), „Frühlingsfluss unter Mondlicht und Blütennacht“ („Moonlit Night on the Spring River“), „Küstenferne“ („Offshore“), „Göttliche Gegenwart im Abgrund“ („Deities in the Abyss“) und „Wiegender Schutz“ („Protecting the Infant“) ist Wasser allgegenwärtig. Wasser, der Träger des Lebens, ist zugleich sanft plätschernde Frühlingswoge und eine brandende Flut der Angst; es verheißt Transzendenz am jenseitigen Ufer und nährt doch das Leid am diesseitigen.
ZHAO Lixian jagt nicht modischen Neuheiten nach, noch lässt sie sich von den alten Lehren der Han-Malerei oder der Dunhuang-Fresken einengen. Stattdessen hält sie Treue zu einer ungeheuren Spirale in ihrem Inneren: Berge und Flüsse, Sonne und Mond, Vögel und Bestien – jedes Bildmotiv dreht sich um diese Spirale und formt so jenes lichte Reich, das eine Mutter mit all ihrer Kraft erschafft. Hier ist das Kind geborgen; hier sind Leoparden und Tiger nicht furchterregender als Katzen; hier sind die Wellen leise und sanft, wie eine Nocturne von Chopin. Eine leise Stimme flüstert: „Wachse heran, mein Kind.“ Wie viel mütterliche Angst liegt in diesen Worten eingefaltet – eine Angst, die nachhallt wie der lange Tag unter leichtem Dunst und schweren Wolken, während kostbarer Weihrauch im goldenen Räuchergefäß vergeht.
Konfrontiert mit diesen von Liebe überfließenden Werken, erscheint mein ganzer Vorrat an kunsthistorischem Wissen, Stilbegriffen und Marktberechnungen plötzlich so klein und nichtig.
CHANG Tianhu
Goldener Herbst im Renyin-Tigerjahr